Ratschläge
Aus Freiherr von Langens "Reiten über Hindernisse"

Jedes Pferd ist anders. Zu Dauererfolgen wird nur kommen, wer Psyche und Charaktereigenschaften, Stärken und Schwächen seines Pferdes ergründet und berücksichtigt.

Arbeite ständig an Deiner Vervollkommnung als Reiter. Dein Pferd wird durch Deine Fehler ständig schlauer und Du sollst ihm über sein. Reite mit Kopf und übe scharfe Selbstkritik. Ergründe alle Fehler, die Du immer wieder machst und bekämpfe sie, besonders wenn Du allein reitest.

Es ist besser und sportlicher, 80 cm in gutem Stil als 120 cm in schlechtem Stil zu springen. Es ist unsportlich, vom Pferd zu viel und vom Reiter zu wenig zu verlangen.

Dein Pferd erinnert sich an eine Strafe hundertmal länger als an ein Lob. Deshalb mußt Du sehr viel loben und versuchen, ohne Strafe auszukommen. Bedenke, daß Dein Pferd jeden durch reiterliches Ungeschick verursachten Schmerz in Maul und Rücken als absichtlich gegebene Strafe auffaßt.

Strafe Dein Pferd niemals durch Reißen am Zügel. Dies ist eine rohe, rückwärts wirkende Maßnahme, die das Pferd nicht versteht, aber äußerst schmerzhaft empfindet. Wer das nicht glaubt, nehme ein Stück Eisen oder einen Bindfaden in den Mund und lasse einen guten Freund daran reißen.

Betrachte Dein Pferd nach dem Absitzen und versuche zu ergründen, wie es über Deine Reitkunst denkt. Klopfe ihm auf jeden Fall den Hals, auch wenn Du glaubst, ihm diesmal nicht weh getan zu haben!





 

[Carl Friedrich Freiherr von Langen: Reiten über Hindernisse.-Hannover, 1931. Nachdruck bei: Olms Verlag, 1996. ISBN: 3-487-08257-8. Zitate S.5-6. Zitiert mit freundlicher Genehmigung des Olms Verlages]

 

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