Pathophysiologie des Gebiss-Einsatzes beim Pferd
Journal of Equine Veterinary Science 1999
Dr. W. Robert Cook
Aus dem Englischen von Rainer Pehlke

Zusammenfassung

Die Verwendung eines oder häufig zweier Gebisse in der traditionellen, „normalen“ Reiterei ist ein Tierschutzproblem, ein Gesundheitsrisiko und eine Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit des Pferdes.

  • Die Verwendung von Gebissen ist invasiv, physiologisch kontraindiziert und kontraproduktiv.

  • Ein Gebiss ängstigt ein Pferd und verursacht Schmerz, Leid und Verletzungen.

  • Es ist häufig verantwortlich für unerwünschtes Verhalten eines Pferdes bei der Arbeit und die Ursache für über 100 Verhaltensprobleme in allen Sparten der Reiterei von der Dressur (z.B. Kopfschlagen) bis zum Rennsport (z.B. dorsale Verschiebung des Gaumensegels).

  • Pferde sind zufriedener mit einer gebisslosen Zäumung.

  • Das Gebiss ist häufig die Ursache für Atemwegverlegung/Luftwegverschluss und abnorme Atemgeräusche (Stridor) bei der Arbeit.

  • Wenn die Geschwindigkeit eines Rennpferdes mit Gebiss und Zügelzug gesteuert wird, so verursacht dies Genick-Flexion, welche wiederum die Atmung behindert und zu vorschneller Erschöpfung/Leistungsminderung führt und ein asphyktisches Lungenödem (Bluten) zur Folge haben kann.

  • Die Messung des Kehlwinkels empfiehlt sich als Indikator für die Freiheit der oberen Atemwege.

  • Ein Gebiss löst Reflexe des Verdauungstraktes aus, die physiologisch einer schnellen Atmung entgegengesetzt sind. Von Pferden wird erwartet, dass sie zugleich fressen und arbeiten, zwei Aktivitäten, die sich gegenseitig ausschließen.

  • Da ein Gebiss die Atmung behindert, Atmung aber mit Bewegung gekoppelt ist, behindert ein Gebiss zugleich die Bewegung.

  • Ein Pferd, das sich auf das Gebiss legt, verliert seine Selbsthaltung und geht vermehrt auf der Vorhand. Seine Tritte werden kürzer und seine Bewegungen dadurch langsamer. Zusätzlich sind Sehnen, Bänder, Gelenke und Knochen der Vorhand größeren Belastungen ausgesetzt. Bei Pferderennen macht dieser Faktor, wenn er mit wodurch auch immer verursachter vorzeitiger Erschöpfung zusammentrifft, Zusammenbrüche und schwere Unfälle wahrscheinlicher.

  • Widerstand gegen das Gebiss hat eine Versteifung der Halsmuskulatur zu Folge, welche mit optimaler Leistungsfähigkeit unvereinbar ist. Die Effektivität einiger wichtiger Mechanismen des Kraftsparens wird dadurch reduziert. Menschliche Athleten brauchen völlige Freiheit des Halses und das Pferd ist hierin nicht anders.

  • Das Pferd kann nur durch die Nase atmen. Bei Belastung sollte das Maul geschlossen sein, die Lippen den Verdauungstrakt „versiegeln“, so dass keine Luft eindringen kann. Ein Gebiss öffnet dieses Siegel, Luft dringt in die Maulhöhle ein und hebt das Gaumensegel in den Mundrachen (oropharynx).

  • „Ablehnung des Gebisses“ beinhaltet folgende Probleme: bukkale Geschwüre, Empfindlichkeit an den Wolfszähnen, Schmerzen während des Durchbruches der Backenzähne, Knochensporne an den Kieferknochen, Sternbrüche am Unterkiefer, Fleischwunden an Lippen, Zunge und Zahnfleisch, Maul aufsperren, Unruhe der Zunge, Zunge hinter dem Gebiss, Zunge über dem Gebiss, „Verschlucken der Zunge“, „Gaumenflattern“, Kopfschlagen, Kampf gegen das Gebiss, nervöses Kauen auf dem Gebiss, „Gebiss zwischen den Zähnen“, Abirren, Auf-das-Gebiss-Legen, Wegstürmen.

  • Die Sicherheit von Reiter und Pferd ist gefährdet, wenn Unmut über Schmerzen das Pferd dazu bringt, das Gebiss zwischen die Zähne zu nehmen und durchzugehen.


Die Praxis des Natural Horsemanship ermöglicht die schmerz- und stressfreie Kommunikation zwischen Reiter und Pferd ohne Gebiss. Schmerzlose Kommunikation führt zu effektiverer Kontrolle und auf diesem Weg können die oben dargestellten Probleme gelöst werden. Eine neue gebisslose Zäumung, die weder Hackamore noch Bosal ist, erlaubt Kommunikation mittels sanftem Druck, der über den gesamten Pferdekopf verteilt ist. Sie ermöglicht einen humanen, nicht-invasiven und natürlichen Ansatz und ist anwendbar in allen Stadien der Ausbildung.


Einleitung

In der Praxis des „normalen“ Reitens wendet der Mensch seine größte Kraft auf eine der empfindlichsten Regionen des Pferdekörpers an – auf das Maul. Wir Menschen sind so an die Gebiss-Methode gewöhnt, dass ihre großen physiologischen Nachteile bisher nicht erkannt worden sind. Das Gebiss stellt eine invasive Form der Kontrolle dar, denn es verletzt eine Körperhöhle. Fehlendes Bewusstsein einer Alternative hat die lange Vorherrschaft des Reitens mit Gebiss mitverursacht. Ziel dieses Artikels ist es, die Aufmerksamkeit auf eine einwandfreie Alternative zu lenken: natürliches Reiten mit gebissloser Kommunikation.

Die folgende Kritik des Gebisses bezieht sich insbesondere auf seine traditionelle Nutzung in der „konventionellen“ Reiterei; dabei ist es üblich, ein oder zwei Gebisse (mit beträchtlichem Gewicht und häufig beachtlicher Schärfe) zu nutzen, um die Geschwindigkeit des Pferdes durch gleichzeitiges Ziehen an beiden Zügeln zu regulieren. Die Genick-Beugung ist ein erheblicher Teil der Kontrolle und der Gebiss-Druck wird oftmals über einen langen Zeitraum beibehalten. Zusätzlich benutzen viele Reiter die Zügel, um ihren Sitz auszubalancieren.

In der natürlichen Reiterei wird eine effektive und schmerzlose Kontrolle ohne ein Gebiss erreicht. Wird ein Gebiss eingesetzt, dann sollte es sich um ein einfaches Trensengebiss handeln, Gebiss-Druck nur vorübergehend sein und etwa 120 Gramm pro Quadratzoll nicht überschreiten. Genick-Beugung sollte nicht durch Gebiss-Einwirkung erreicht werden und der Reiter benötigt einen unabhängigen Sitz. Unter diesen Bedingungen ist ein Gebiss weniger schädlich, aber immer noch kontraindiziert.

Physiologischer Atemstrom bei Pferden in freier Bewegung

Das Atlanto-occipital-Gelenk kann man sich als Gelenk der Atmung vorstellen, da seine Position den Atemstrom regelt. Die Bewegung des Gelenkes ist begrenzt auf Beugung und Streckung. Seine Position korreliert mit dem Kehlwinkel, dem Winkel zwischen dem horizontalen Unterkieferast und der ventralen Halslinie. Volle Streckung des Atlanto-occipital-Gelenkes korrespondiert mit einem Kehlwinkel von 140 bis 150 Grad, volle Beugung mit ungefähr 30 Grad und eine neutrale Position mit etwa 90 Grad.

  • Volle Streckung: Wenn ein Pferd in völliger Freiheit und mit vollem Tempo galoppiert, dann strecken, nach meiner Ansicht, Kopf und Hals sich gerade heraus – wie bei einem Schwan im Fluge – und der horizontale Unterkieferast liegt annähernd parallel zum Erdboden.(Abb.1a und 2a)

  • Volle Beugung: Diese Haltung kommt in der Natur nur selten und dann vorübergehend vor, da sie ausschließlich ruhiges Atmen ermöglicht. Die Stirnlinie verläuft vertikal zum Boden und der Nasenrachen ist maximal blockiert.(Abb.1b, 2d und 3c)

  • Neutral: Diese Position wird eingenommen in Ruheposition mit aufgerichtetem Kopf bei ruhiger Atmung und im Schritt.(Abb.1c, 2b, 4a)

Mit Hilfe der Fotographie ist der Kehlwinkel ein externer und messbarer Indikator für die Durchgängigkeit der oberen Atemwege bei Belastung. Diesen Parameter haben wir in der Vergangenheit übersehen und nicht dokumentiert.

 

Abbildung 1: Korrelation zwischen der Durchgängigkeit der oberen Atemwege und dem Atlanto-occipital-Gelenk. (Weiß=Knochen; Rot=Knorpel; Braun=Weichteile)

a) Volle Genick-Streckung (Kehlwinkel 140°): Der Atemweg ist vollkommen frei (siehe auch Abb.2a). Die Weichteile des Nasopharynx sind längs gestreckt, was ihnen hilft, dem Deformationsdruck der Atmung zu widerstehen.

 

b) Teilweise Genick-Beugung (Kehlwinkel 70°): Der Atemweg ist scharf gekrümmt und dadurch ernsthaft behindert. Die Weichteile des Rachens wölben sich weiter in den Atemstrom (siehe auch Abb.2d). Wenn, wie im Dressurreiten, die Pferde mit der Nasenlinie in der Vertikalen oder gar hinter der Vertikalen geritten werden, ist die Behinderung der Atmung noch schwerwiegender.

 

c) Gesamter Atemstrom in Ruhe und bei Streckung in vollem Lauf.

 

 

Abbildung 2: Umriss des oberen Atemweges mit dem Atlanto-occipital-Gelenk in drei verschiedenen Positionen (a, b, d). Die Diagramme basieren auf Röntgenaufnahmen desselben Pferdes bei vollem Bewusstsein. Der Nasopharynx ist kreuzschraffiert, die Quadrate sind für jedes Diagramm gezählt worden, um die prozentuale Verengung des sagittalen Bereiches in Folge zunehmender Flexion zu messen. Als Wert des logarithmischen Anstieges des Atmungswiderstandes, welcher mit der Verringerung des Querschnittes einhergeht, unterbewerten die Prozentzahlen des sagittalen Raumes das Problem stark, aber sie geben einen groben Richtwert.

a) Volle Genick-Streckung: Dieser Luftweg entspricht dem in Abb. 1a (Kehlwinkel 140°). Der Nasenrachen ist frei, die Raum-Messung ergibt 100%. Gaumensegel und Kehldeckel bilden eine Ebene mit dem Nasenrachen. Die hinteren Nasenlöcher sind vollkommen offen.

b) Neutrale Position des Genickes: Dieser Luftweg entspricht derjenigen in Abb.4a (Kehlwinkel 87°). Der Nasenrachen hat nur noch 90% Rauminhalt. Diese Behinderung ist ein ernstes Handicap für ein Rennpferd.

c) Neutrale Position mit dorsaler Verlagerung des Gaumensegels: Der Nasenrachen hat nur noch 43% seiner potentiellen Größe und ist schwerwiegend behindert. Ein Flaschenhals entsteht an den hinteren Nüstern und führt zu einem Kaskadeneffekt. Der abnorme negative Druck auf das Einatmen im Nasenrachen steigt in den anschließenden Bereichen des Atemweges Richtung Lunge noch weiter an. Der Druck innerhalb des Nasenrachens kann das Gaumensegel bis an das Dach des Rachens anheben, den Luftweg komplett blockieren und zu einen Erstickungsanfall führen. In den kleinen Luftwegen der Lunge, wo der negative Druck am höchsten ist, führt dies zu erstickungsbedingtem Lungenödem und sogenanntem „Bluten“.

d) Teil-Flexion des Genickes: Der Luftweg entspricht dem in Abb. 1B gezeigten (Kehlwinkel 70°). Der Rauminhalt des Nasenrachens liegt bei 53%, dementsprechend ist der Atmungswiderstand mehr als verdoppelt. Der Durchmesser der hinteren Nasenlöcher ist halbiert. Die Atmung unterliegt hier den gleichen Risiken wie unter 2C beschrieben.

Abbildung 3: Die Darstellungen basieren auf Fotographien getrenster Pferde in drei verschiedenen Sparten der Sportreiterei. In keinem Fall sind die Zügel locker, beachtlicher Zug liegt auf dem Unterkiefer aller drei Pferde.

 

a) Das galoppierende Rennpferd: Der Kehlwinkel beträgt 87° und entspricht annähernd der neutralen Position für ruhiges Atmen (siehe Abb. 2b und 4a). Das Maul ist teilweise geöffnet, die Ganaschen sind eingeengt und das „Lippenspiel“ ist gebrochen.

b) Das Springpferd: Der Kehlwinkel beträgt 75°, nur etwas mehr als die Teil-Flexion, die auf den Abbildungen 1b und 2d zu sehen ist. Die Ganaschen sind erheblich eingeengt, das Maul ist halboffen und das „Lippenspiel“ gebrochen. Die Atmung ist bedeutend eingeschränkt, das Pferd leidet unter Sauerstoffmangel. Viele Springpferde müssen mit deutlich stärkerer Flexion durch den Parcours gehen.

c) Das Dressurpferd: Der Kehlwinkel beträgt 33°, die Nasenlinie ist in der Vertikalen. Die Beeinträchtigung der Atmung wird um mehrere Stufen höher liegen als in Abb. 1b dargestellt. Man beachte die sehr starke Einengung der Ganaschen. Viele Dressurpferde werden in „Rollkur“-Position geritten, wobei die Atmung noch deutlich stärker beeinträchtigt wird.

 

 

 

Kontraindikationen und Komplikationen bei der Gebiss-Kontrolle

Diese können unter sieben Überschriften wie folgt beschrieben werden:

 

1. Physiologische Inkompatibilität

Verdauungs- und Atmungswege des Pferdes sind anatomisch getrennt, mit Ausnahme des Pharynx. Aber auch hier sollten sie physiologisch getrennt sein.[1, 2] Im Galopp sollte der Larynx vollkommen geöffnet, der Esophagus vollkommen geschlossen sein; wenn das Pferd schluckt sollte es umgekehrt sein (Abb.4). Von Pferden sollte man nicht erwarten, dass sie simultan fressen und sportliche Leistungen erbringen.

Wenn sich jedoch ein Gebiss im Pferdemaul befindet, dann signalisieren die Sinne dem Gehirn „fressen“. Dementsprechend wird der Kaureflex angeregt und das Pferd bewegt Lippen, Zunge und Kiefer, es wird Speichel gebildet. Nun wird das Pferd gesattelt und in Bewegung gesetzt, wodurch dem Gehirn signalisiert wird: „Leistung“. Hierdurch entsteht ein physiologischer Konflikt zwischen zwei inkompatiblen Funktionen. Während körperlicher Beanspruchung ist das sympathische Nervensystem dominant, bei der Nahrungsaufnahme das parasympathische. Dorsalverlagerungen des Gaumensegels bei Rennpferden gehen höchstwahrscheinlich auf diesen Konflikt zurück: Ein Fremdkörper im Maul stimuliert Reflexe, die bei einer Hochleistung kontraindiziert sind. Rennpferde in vollem Galopp kann man schlucken sehen, was man bei einem Pferd in Freiheit kaum wird beobachten können. Die den Speichelfluss stimulierende Wirkung des Gebisses dürfte hierfür verantwortlich sein. Dies erklärt auch die Schluckbewegung, die man bei getrensten Pferden regelmäßig beobachten kann, sobald eine starke Belastung beendet ist.[3]


Abbildung 4: Verhältnis von Gaumensegel und Kehlkopf. Bei Belastung sollte der Kehlkopf fest in das „Knopfloch“ des Gaumensegels, das Ostium intrapharyngium, passen. Zwischen ihnen sollte eine luftdichtes „Siegel“ bestehen, sodass keine Luft in den Verdauungstrakt, d.h. die Speiseröhre gelangt. Geschieht dies doch, dann hebt sich das Gaumensegel und fängt an zu vibrieren (Abb.8). Eine Ursache für ein Aufbrechen des „Siegels“ besteht darin, dass das Pferd zu schneller Bewegung in beigezäumter Haltung genötigt wird – was bei Gebissverwendung besonders wahrscheinlich ist (Abb.1b). Weitere Ursachen sind: Dorsalverlagerung des Gaumensegels durch Bewegungen der Zungengrund infolge Gebisseinwirkung; durch Gebiss hervorgerufene Würgereflexe; Öffnen des Maules, um dem Gebiss auszuweichen.

a) Neutrale Position (Kehlwinkel 87°): Man beachte die Lage des Gebisses zu Zunge und Gaumensegel. Der Doppelpfeil zeigt die Richtung des Atemstromes an.

 

 

b) Volle Genick-Streckung (Kehlwinkel 150°): Eine vergrößerter Darstellung des idealen Atemstromes für das Galoppieren.



2. Behinderung der oberen Luftwege

In der konventionellen Reiterei nutzt man für Paraden das Gebiss um das Genick zu beugen.1 Aber ohne Genick-Streckung kann das Pferd nicht frei atmen. Die Kontrolle der Geschwindigkeit geschieht daher auf Kosten der Atmung. Diese Beeinträchtigung reicht von geringer oder moderater Genick-Beugung (z.B. bei einem Rennpferd) bis zu starker Genick-Beugung (z.B. bei einem versammelten Dressurpferd). Aber selbst eine geringe Einengung der Luftwege muss bei einem Rennpferd vermieden werden, denn sie beeinträchtigt die Leistungsfähigkeit und verursacht Erstickungs-bedingtes Lungenödem (Bluten).[5-8] Auch die Leistungsfähigkeit eines Dressurpferdes wird durch Atemnot nicht gefördert. Das Problem des Kopfschlagens [9] bei Dressurpferden wird in der Regel durch das Gebiss hervorgerufen.[10, 11]

Obwohl das Atlanto-occipital-Gelenk bis zu einem Kehlwinkel von 150° beweglich ist, habe ich noch keine Aufnahme eines Vollblut-Rennpferdes mit mehr als 118° finden können; der Durchschnitt bei 29 Messungen lag bei einem Winkel von 103° (Bereich von 87° bis 118°).

Zunge und Kehlkopf sind am Zungenbeinapparat verankert (Abb.6). Jede Bewegung der Zunge hat eine Bewegung des Kehlkopfes zur Folge und diese Beunruhigung des Luftstromes stört die Atmung bei schneller Bewegung. Eine Atemwegsverengung tritt ebenfalls auf, wenn das Pferd dem Gebiss ausweicht, indem es die Spitze seiner Zunge hinter das Gebiss zieht (Abb.7). Einige abnorme, bei Belastung auftretende Atemgeräusche können sofort abgestellt werden, wenn man das Gebiss entfernt.

Das Gaumensegel liegt über dem Zungengrund. Jede Bewegung der Zunge begünstigt die dorsale Verlagerung des Gaumensegels (Abb.7).[1] Das Gaumensegel hebt sich während des Schluckens oder Hustens, das ist absolut natürlich, aber für ungehindertes, schnelles Atmen sollte es fest herabgedrückt sein (Abb.4).[1]

Meiner Ansicht nach ruht bei dem in Freiheit galoppierenden Pferd der Schluck-Reflex ebenso wie das Speicheln und der Kau-Reflex. Wenn bei Renntempo (Atemfrequenz 120-140/min) ein Schluckreflex durch ein Gebiss ausgelöst wird, dann wird das Gaumensegel sich anheben, und es besteht die Gefahr, dass es sich in dem oszillierenden Sturm, der durch den Nasopharynx tobt, „verfängt“. Unter diesen Bedingungen wird die Verlagerung des Gaumensegels fortdauern. Dorsale Verlagerung des Gaumensegels ist eine normale Funktion des Schluckens, nicht schnellen Atmens (Abb.4).

Atmet ein Rennpferd mit einem Gebiss im Maul zu schnell, um schlucken zu können, dann kann der Speichel im Rachen nicht in die Speiseröhre abfließen, denn die Speiseröhre ist verschlossen. Der einzige freie Weg führt in den Kehlkopf. Speichel ist, wie wir wissen, für die Schleimhaut des Kehlkopfes in hohem Maße reizend und löst bei uns Menschen einen Hustenkrampf aus. Wenn bei einem galoppierenden Pferd ein Hustenreflex ausgelöst wird, dann hebt sich das Gaumensegel und ein Erstickungsanfall folgt.[1, 2] Alternativ kann die Reizung einen Kehlkopfkrampf hervorrufen, der eine noch stärkere Ursache für Erstickungsanfälle ist.

 


Abbildung 5: Zu sehen ist der physiologische Umschaltvorgang, der benötigt wird, um die Funktion des Rachens von „Arbeit“ auf „Fressen“ zu stellen. Zugunsten der Klarheit wurden Maul, Oropharynx und Esophagus als absolute Räume dargestellt. Normalerweise handelt es sich bei diesen – außer wenn sie Flüssigkeit oder Nahrung beinhalten – um potentielle Räume.

A) Arbeit: Das Gaumensegel ist abgesenkt, um den Mundrachen zu versiegeln und den Nasenrachen zu vergrößern. Die Stellknorpel sind hochgestellt, um die Speiseröhre zu schließen und den Kehlkopf zu öffnen. Der Kehldeckel ist abgesenkt, um mit dem Gaumensegel den Mundrachen zu schließen und – mehr als in dieser Abbildung sichtbar – den Strom der Atemluft ruhig zu machen. Der Kehlkopf passt optimal in das „Knopfloch“ des Gaumensegels.

B) Fressen oder Trinken: Das Gaumensegel ist angehoben, um den Nasenraum zu schließen und das Eindringen von Nahrung oder Wasser zu verhindern. Die Stellknorpel sind abgesenkt, um die Speiseröhre zu öffnen und den Kehlkopf zu schließen, wodurch die Lunge gegen das Eindringen von Wasser und Nahrung geschützt wird. Der Kehldeckel legt sich über die Stellknorpel.

Legende: A = Arytenoid-Knorpel; G = Gaumensegel; K= Kehldeckel; M = Mundrachen; N = Nasenrachen; R = Rachenöffnung (Ostium intrapharyngeum); S = Schlundrachen.

Abbildung 6: Die Darstellung zeigt, dass Kehlkopf und Zunge durch den Zungenbeinapparat an der Schädelbasis befestigt sind. Da beide die gleiche Verankerung haben, so ist evident, dass jede Zungenbewegung auch den Kehlkopf in Bewegung versetzt und also die Atmung beeinflusst.

Abbildung 7: Pathophysiologie des „Zunge-Verschluckens“: Wenn die Spitze der Zunge zurückgezogen wird und kaudal zum Gebiss liegt, dann drückt die Zungengrund das Gaumensegel dorsal (den Nasenrachen behindernd) und den Kehldeckel kaudal (den Kehlkopfeingang behindernd). Das Pferd hat einen Erstickungsanfall.



3. Behinderungen der Gänge

Ein galoppierendes Pferd springt im Takt der Atemzüge.[3] Da ein Gebiss das Atmen behindert, behindert es auch das Laufen. Die Entfernung des Gebisses kann Wunder für die Gänge eines Pferdes bewirken. Seine Schritte werden länger und die Vorhand leichter. Etwas von dem natürlichen Anmut des freien Pferdes kehrt zurück. Wie beim Menschen das Wichtigste beim Schwimmens das Atmen ist, so ist beim Pferd das Atmen der wichtigste Teil des Laufens.

 

4. Kürzere (langsamere) Tritte und Zusammenbrüche auf der Rennbahn

Der Schwerpunkt eines stehenden reiterlosen Pferdes liegt auf einer vertikalen Linie unmittelbar hinter dem 13. Brustwirbel. Wenn das Pferd geritten wird, wandert der Schwerpunkt kranial und das Pferd bringt mehr Last auf die Vorhand. Ein oder sogar zwei Gebisse tragen zu dieser Balanceverschiebung bei: Erstens verschiebt allein das tote Gewicht der Gebisse am äußersten Ende des Pferdekopfes den Schwerpunkt nach vorne. Zweitens üben Reiter in der Regel Druck auf das Gebiss aus und vermehren so die Gewichtsverlagerung auf die Vorhand des Pferdes. Drittens tendieren Pferde dazu, sich auf das Gebiss zu legen. Ohne Gebiss werden die Tritte der Vorhand leichter, wie durch das Anhören der Tonspuren von Videoaufzeichnungen demonstriert werden kann.

Ein Pferd, das schwer auf der Vorhand liegt, hat kürzere Tritte. Das Show-Pferd hat „zappelige“ Bewegungen und verliert an Selbsthaltung. Bei einem Leistungspferd bedeuten kürzere Tritte weniger Schnelligkeit. Schwereres Auftreten mit der Vorhand bedeutet stärkere Belastung für Hart- und Weichgewebe der Beine. Bei Rennpferden wird ein Zusammenbruch wahrscheinlicher.

 

5. Versteifung des Halses und Verlust an Schwung

Hilfengebung über ein Gebiss führt dazu, dass viele Pferde Widerstand leisten und gegen das Gebiss ankämpfen. Der Widerstand reicht von leichtem Ziehen bis zu Schulter-schmerzendem Reißen. Viele Reiter nutzen darüberhinaus die Zügel, um sich im Sattel auszubalancieren. Fahrer können, mit Zügeln von 2,5 bis 3 Meter Länge ausgestattet, gewaltige Kräfte auf das Pferdemaul ausüben.

Ständiger Zug über das Gebiss führt nicht nur zu Knochenschmerzen am Unterkiefer, sondern auch zu einer Kraftvergeudung durch dauerndes Anspannen der Hals-Muskulatur. Diese Genick-Steife kommt weder bei in Freiheit lebenden Pferden noch bei gebisslos gerittenen Vollblütern vor – sie ist mit optimaler athletischer Leistung unvereinbar. Vor Jahren nahm Rooney Bezug auf Fixierung des Halses bei Standardbreds (Amerikanische Traberrasse, Anm. d. Übers.), durch Aufsatzzügel und Kopfstäbe, die zu „irregulärer Atmung“ [12] führe. „Versuche ein paar hundert Meter zu laufen“, sagt er, „mit deinem Hals in Gips.“ Kein menschlicher Athlet ist leistungsfähig ohne vollkommene Freiheit des Halses.

Ein in der Freiheit galoppierendes Pferd nutzt den normalen, durch die Schwerkraft bedingten Abwärtsschwung von Kopf und Hals als Hilfe, um die Hinterhand vorzuschwingen. Dabei spart es Kraft, indem es das elastische Zurückschnellen des Nackenbandes nutzt. In dieser Phase, wenn die Vorderbeine Last aufnehmen, atmet das Pferd aus. Rooney schreibt: „...es scheint, dass die erfolgreichen Rennpferde mehr Bewegung von Kopf und Hals haben als andere.“ [13] Der Galopp-Stil von Secretariat zum Beispiel zeichnete sich durch ungewöhnliche Beweglichkeit von Kopf und Hals aus.[13] Ich erinnere mich auch, dass Secretariat ein Pferd war, dass sich nicht zurückhalten ließ, daher sein 15 Längen Sieg in Belmont. Vielleicht war Secretariat besser darin, das Gebiss zu neutralisieren, als andere Pferde?

Ein zweiter Kunstgriff, um Kraft zu sparen, scheint an den Vorderbeinen zu wirken. Wenn sich der Kopf während des Einatmens hebt, dann werden die brachiozephalen und omotransversalen Muskeln umfassenden Oberflächen-Bänder angespannt. Dies zieht die vorderen Extremitäten nach vorne und hilft, die Trägheit ihrer kurzen Unbeweglichkeit am Ende der Ausatmens zu überwinden. Dieser Mechanismus ist ein weiteres weiteres Argument dafür, dass jede Einschränkung der Beweglichkeit des Halses bei einem wie immer gearbeiteten Pferd unterbleiben muss.

 

6. Verhaltensstörungen

Die Ablehnung des Gebisses ist so alltäglich, dass seine zahlreichen Formen in die Umgangssprache eingegangen sind. Pferde „spucken das Gebiss aus“, bringen die Zunge „über das Gebiss“, oder “hinter das Gebiss“, nehmen „das Gebiss zwischen die Zähne“; sie strecken die Zunge heraus, bewegen die Zunge ununterbrochen, kauen, lutschen, saugen ständig am Gebiss, sie ziehen, drücken, lehnen sich auf das Gebiss, verschieben die Kiefer, sperren das Maul auf, schäumen, schlagen mit dem Kopf (siehe Abb.10). Andere Verhaltensänderungen stehen in Zusammenhang mit der Abneigung vieler mit Gebiss gerittener Pferde überhaupt gearbeitet zu werden und den schon beschriebenen Veränderungen in den Grundgangarten. Ausweichen vor dem Gebiss kann die alleinige Ursache für inspiratorischen Stridor bei der Arbeit sein, mit Luftturbulenzen und Fremitus im Kehlkopf, die unmittelbar nach der Belastung feststellbar sind.

Die Ablehnung des Gebisses neutralisiert die Kontrolle. Durch das Gebiss verursachter akuter oder chronischer Schmerz treibt ein Pferd dazu, das Gebiss zwischen die vorderen Backenzähne zu nehmen und festzustellen. Wenn das geschieht, dann hat der Reiter keinerlei Kontrolle mehr und das Pferd kann durchgehen. Shakespeare beschreibt es kurz und bündig:

The iron bit he crushes `tween his teeth,

Controlling what he was controlled with.“

Die Tatsache der Zungenbewegung mit darauf folgender Dorsalverlagerung des Gaumensegels hat im Pferderennsport der USA zur annähernd routinemäßigen Praxis des Festgurtens der Zunge und damit zur Einführung eines weiteren Fremdkörpers in das Pferdemaul geführt. Im Gegensatz zu den Vollblütern geht die Mehrzahl der Standardbreds mit zwei Gebissen in die Rennen, Trense oder Kandare und einem Overcheck-Bit. Diese und andere schon genannte Gründe dürften recht gut erklären, warum Dorsalverlagerung des Gaumensegels bei Standardbreds so häufig ist.

Die Behinderung der oberen Luftwege, wodurch auch immer verursacht, ist nach meiner Erfahrung ein ursächlicher Faktor, der in Betracht gezogen werden muss, wenn Rennbahn-Zusammenbrüche, Erstickung, Bluten und plötzlicher Tod auftritt. Das Gebiss ist für diese Phänomene zum Teil verantwortlich, neben anderen bekannteren Ursachen wie rekurrierende laryngale Neuropathie (RLN).[8]

 

Abbildung 8a: Diese Darstellung zeigt den verwirbelten Atemstrom, der entsteht, wenn das Gaumensegel dorsal verlagert ist.

 

 

Abbildung 8b: Die Pfeile in dieser Darstellung deuten an wie – wenn das Gaumensegel erst einmal angehoben ist – mit jedem Ausatmen Luft in den Mundrachen eindringt. Die Behinderung bleibt daher bestehen, bis das Pferd sich langsamer bewegen und schlucken kann. Diese vergrößerte Sicht auf den Kehlkopf zeigt auch das „Knopfloch“ den Gaumensegels.

 

 

Abbildung 9: Dem Druck des Gebisses nachgebend öffnet das Pferd das Maul. Luft dringt in den Mundrachen, das Gaumensegel verlagert sich dorsal.

 

 

Abbildung 10: Dorsal- und Ventralflexion des Halses, die man Kopfschlagen nennt.

 

 

7. Probleme des Maules und der Zähne

Das Pferd kann nur durch die Nase atmen. Wird es stark bewegt, dann sollten sein Maul geschlossen und seine Lippen versiegelt sein, um das Eindringen von Luft in den Mundrachen und eine daraus folgende Dorsalverlagerung des Gaumensegels zu verhindern. Die Verwendung eines Gebisses durchbricht dieses „Siegel“ und öffnet häufig auch das Maul.

Das Gebiss liegt auf der Zunge und dem Diastema des Unterkiefers und die verschiedenen Ringe und Schenkel sind in ständigem Kontakt mit den empfindlichen Kommissuren der Lippen. Somit liegt das Gebiss unmittelbar über dem Kinnloch und den Ausläufern des Unterkiefernerves und in Kontakt mit den höchst sensiblen Lippen eines Tieres, das, sich selbst überlassen, sehr wählerisch ist, was es in das Maul nimmt. In der Vergangenheit bin ich nicht in der Lage gewesen, eine überzeugende Erklärung für das Phänomen des Kopfschlagens zu finden, ganz zu schweigen von einer befriedigenden Behandlung.[9] Erst nachdem ich mich mit der Wirkungsweise einer neuen gebisslosen Zäumung (siehe unten) beschäftigt hatte, erkannte ich, dass Gebisse zumindest eine Ursache für das Kopfschlagen sind und mit ziemlicher Sicherheit die häufigste. Einige Pferde hören sofort nach Entfernung des Gebisses auf mit dem Kopf zu schlagen.[10] Kopfschlagen kann ein Zeichen von Trigeminusneuralgie sein, die durch den andauernden Druck des Gebisses ausgelöst wurde. Beim Menschen „ist der fünfte Nerv oftmals Sitz der Neuralgie.“[14] Beim Pferd können lokale und ausstrahlende Schmerzen des Unterkieferzweiges des Trigeminusnerves und ausstrahlende Schmerzen in den Augen- und Oberkieferästen recht gut erklären, warum kopfschlagende Pferde ihren Kopf an jedem gerade verfügbaren Objekt reiben und warum manche Kopfschläger Erleichterung von einem Fliegennetz über der Schnauze oder gar einer Neurektomie des Oberkieferastes finden. Es wäre relativ einfach, diese Hypothese kurzfristig zu prüfen durch Test einer größeren Anzahl Kopfschläger.

Gebiss-Druck verursacht Quetschungen des Zahnfleisches, Verletzungen von Zunge und Lippen, Knochensporne an den Kieferknochen und Sternbrüche am Unterkiefer. Ein Gebiss liegt außerdem nahe an möglichen Wolfszähnen, die noch unter dem Zahnfleisch liegen oder gerade vor dem ersten Backenzahn durchbrechen. Hier entsteht Schmerz, wenn das Gebiss an diese rudimentäre Zähne schlägt oder drückt. Die Backenstücke eines Trensen- oder Kandarenzaumes drücken die Wangenschleimhaut gegen die scharfen Zahnschmelzkanten der oberen Backenzähne; Backengeschwüre sind daher häufig. Überdies ist es problematisch, die Gebiss-Methode bei einem Tier zu verwenden, dessen Zahnwechsel zwischen dem zweiten und fünften Lebensjahr stattfindet. Vollblut-Rennpferde sind in dieser Periode des Zahnens auf dem Höhepunkt ihrer Laufbahn.

Fragt man einen Trainer von Vollblut- oder Trabrennpferden, wie hoch in seinem Stall der Anteil von Pferden ist, die zu irgendeinem Zeitpunkt Maulprobleme haben, so reichen die Antworten von 20 Prozent bis zu 60 Prozent.



Schlussfolgerung

Ein Gebiss ist ein starrer Fremdkörper in einer empfindlichen Körperhöhle und kann Schmerz, Verletzungen, Krankheit und sogar Tod verursachen. Ein Gebiss im Maul eines gearbeiteten Pferdes ist physiologisch kontraindiziert und – vom Standpunkt des Reiters aus – kontraproduktiv. Das Wunder ist, dass nicht alle Pferde das Gebiss übelnehmen. Möglicherweise aber bemerken wir bei vielen Pferden die Anzeichen von Unbehagen einfach nicht. Erhebliche Verbesserungen der Leistungsfähigkeit können auch bei Pferden erreicht werden, die keine Probleme mit dem Gebiss zu haben scheinen – indem man sie gebisslos reitet. Für Kopfschläger bringt dieser Schritt zweifellos enorme Erleichterung.[9]

Es bedarf nur etwas Beobachtung, um zu erkennen, dass schlicht die Entfernung des Metallstückes aus dem Pferdemaul eine effizientere und sicherere Kontrolle des Pferdes bringt, dem Pferd freies Atmen und bessere Bewegungen ermöglicht und sein Verhalten bein Training verbessert. Pferde bevorzugen Zäumungen „mit fehlendem Gebiss“.[15]

Reiter und Fahrer müssen sich über die Störungen im Klaren sein, die der Organismus Pferd durch das Gebiss erleidet. Je näher Pferdeleute an dem bleiben, was natürlich ist, um so weniger werden sie von Menschen gemachte Probleme produzieren. Da ein Pferd sicherer kontrolliert werden kann ohne Gebiss, und da dies Pferd und Reiter Vorteile bringt, liegen überwältigende Gründe vor, die altehrwürdige Stellung des Gebisses im Pferdesport in Frage zu stellen.[10] Wettbewerbs-Regeln, die für manche Sparten des Sports die Verwendung von Gebissen vorschreiben, werden hoffentlich in Zukunft geändert werden.

In den letzten Jahren ist überzeugend demonstriert worden, dass der gebisslose Weg gangbar ist, durch die Anwendung natürlicher Ausbildungsmethoden (natural horsemanship) auf allen Stufen der Ausbildung. Für die verfeinerten Hilfen auf hohen Niveau greifen aber selbst „Natural Horseman“ auf die Trense zurück. [4] Dieser Schritt kann jetzt vermieden werden, da durch die Einführung einer grundlegend neuen gebisslosen Zäumung2, feine Hilfen ohne Gebiss möglich werden. Dabei handelt es sich weder um ein mechanisches Hackamore, noch ein Bosal, deren Wirkung beide auf Schmerz und Genick-Beugung beruhen. Stattdessen wirkt die neue Zäumung durch schmerzlosen Druck auf den ganzen Kopf. (Abbildung 11) Sie ermöglicht humane, effektive und nicht-invasive Kontrolle ohne negative Wirkungen auf Atmung oder Bewegung.[9, 10]

 

Abbildung 11: Der Kreuzriemen-Aufbau der neuen gebisslosen Zäumung. Das Diagramm auf der rechten Seite zeigt den Pferdekopf von unten; durch kurzen Zug an einem Zügel (gelber Pfeil) kann milder und schmerzfreier Druck ausgeübt werden auf (Reihenfolge von stärkerem zu schwächerem Druck, siehe rote Pfeile): Nasenrücken, Kinn, Backe und Genick. Diese Zäumung drückt, nichtinvasiv und schmerzfrei auf den ganzen Kopf, während ein Gebiss zieht, und zwar invasiv und schmerzhaft im Pferdemaul.

 



Literaturverzeichnis

  1. Cook, W.R.: Some observations on form and function of the equine upper airway in health and disease : Part I, The pharynx. In: Proc. Am. Assoc. Equine Prac., 1981, S. 355-393.

  2. Cook, W.R.: Some observations on form and function of the equine upper airway in health and disease : Part II, The larynx. In: Proc. Am. Assoc. Equine Prac., 1981, S. 393-452.

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  15. Bonner, J: Changing Tack; horses may prefer bridles with a bit missing. In: NewScientist, 4 (1998), S.16.

1 Die Methode des Natural Horsemanship besteht darin, den Pferdehals seitlich zu biegen, um die Hinterhand „auszukuppeln“.

2 „Bitless Bridle 2000“: ELG Inc., 206, Birch Run Road, Chestertown MD 21620.